Das neue Telekom D-Netz

Die Telekom hat laut verschiedenen Presseberichten bei einem geheimen Treffen im Wirtschaftsministerium Pläne für Routingänderungen in ihrem Netz vorgestellt. Dabei soll Traffic, der von Kunden in Deutschland erzeugt wird und dessen Ziel sich ebenfalls in Deutschland befindet, nicht über Verbindungsknoten im Ausland geroutet werden. Die Boulevardpresse spricht hier immer wieder von E-Mailverkehr. Gemeint ist aber sehr offensichtlich der gesamte Traffic und nicht nur die Verbindung zwischen den großen Mailservern von Telekom, 1und1, gmx und web.de.

Erreicht werden soll dieses zweifelhafte Ziel, indem sich alle Provider schriftlich darauf einigen. Wer nicht mitspielt, soll nach dem Verständnis der Telekom durch gesetzliche Regelungen dazu gezwungen werden.

Die nach außen getragene Intension, die Daten sollen in Deutschland bleiben, damit sie nicht in Großbritannien oder anderswo von ausländischen Geheimdiensten abgehört werden können, klingt zunächst sehr löblich. Dabei muss man sich aber fragen, ob der ganze Aufwand überhaupt gerechtfertigt ist bzw. ob es nicht noch andere Gründe dafür gibt.

Was steckt dahinter

Zunächst sieht es so aus, als ob hier nur eine Nebelkerze gezündet werden soll. Die Abhörmaßnahmen sind letztendlich nicht nur auf einige wenige große Knoten im Ausland und ausländische Geheimdienste beschränkt. Auch der BND schneidet offenbar gerne mit. Damit würden wir uns am Ende „nur noch“ von unseren eigenen Geheimdiensten aushorchen lassen.

Da die Bestrebungen der Telekom in der Regel eher durch wirtschaftliche Gegebenheiten zu erklären sind, liegt hier der Verdacht nahe, dass durch neue Verträge der Konkurrenz das Leben schwer gemacht werden soll. Die Abhörsicherheit verbessert der Vorschlag jedenfalls nicht.