Das Kabel ins Netz

Ich habe am Samstag per Mail eine Frage bekommen, die ich an dieser Stelle gern einmal für alle beantworten möchte, da sie sicherlich auch für andere interessant ist. Im Grunde genommen geht es darum, wie das Signal aus der Vermittlungsstelle in die Wohnung kommt. Die meisten wissen, dass es da eine ominöse Telefonleitung gibt. Manche denken sogar, dass man für ISDN extra 2 Leitungen braucht. Um die ganzen Missverständnisse mal auszurämen hier zunächst eine grobe Skizze, der üblichen Leitungsführung bei klassischen Telefon- und Internetanschlüssen.

Fakt ist: Jeder Anschluss wird über eine eigene Leitung realisiert. Diese Leitung, im Fachjargon als TAL (Teilnehmeranschlussleitung) bezeichnet, besteht einfach aus 2 Kupferdrähten. Diese werden Doppelader oder kurz DA genannt. Manchmal liest man auch von einer CUDA (Kupferdoppelader). Die Bezeichnungen können hier unter Umständen etwas varieren.

Natürlich wird nicht für jeden Haushalt eine eigene Leitung einzeln vergraben, sondern die Leitungen werden in einem großen Kabel zusammengefasst. Wie das aussieht kann man sehr schön im Wikipedia Artikel zum Telefonkabel sehen.

Im HVt (Hauptverteiler)

Alle Leitungen laufen im HVt zusammen, der normalerweise in einem richtigen Haus untergebracht ist. Zugang haben hier nur Telekomtechniker. Viele verwechseln den HVt mit den kleinen KVz am Straßenrand. Der HVt ist aber um einiges größer und versorgt meist einen ganzen Stadtteil. Wer das Kabelwirrwar mal sehen will, findet hier jede Menge Bilder dazu.
Hier im HVt befinden sich auch der DSLAM für den DSL-Anschluss und der Telefonport für den analogen oder ISDN Anschluss. Aufgrund der immer größer werdenden Verbreitung von NGN Anschlüssen fallen letztere leider immer häufiger weg.

Weiter zum KVz (Kabelverzweiger)

Vom HVt werden die Telefonkabel zum KVz verlegt. Die grauen Kästen am Straßenrand hat jeder schon mal gesehen. Seit es VDSL gibt sind sie sogar noch größer und mit eigener Lüftung ausgestattet. Die alten klassischen Kästen dagegen sind vollkommen passiv und beherbergen eigentlich nur Klemmleisten auf denen die Doppeladern aufgeklemmt werden. Von hier aus verlaufen die Doppeladern weiter zum APL.

Am APL

Der APL (Abschlusspunkt Linientechnik) ist die Hausverteilung für die einzelnen Doppeladern. Das Telefonkabel, dass hier ankommt, ist schon nicht mehr ganz so dick. Genau wie der KVz ist der APL eigentlich nur eine große Klemmleiste auf der alle ankommenden Doppeladern aufgelegt werden. Vom APL geht ein Telefonkabel in jede Wohnung, dass am Ende in der TAE rauskommt. In Gebäuden mit mehreren Etagen kann es zusätzlich nochmal pro Etage einen Etagenverteiler geben. Der ist aber eher optional.

Am Schluss kommt die Dose (TAE)

Die Telekommunikations-Anschluss-Einheit oder kurz TAE genannt ist das, was der Endkunde von seinem Anschluss zu Gesicht bekommt. Hier wird der Splitter für Modem und Telefon angeschlossen. Von den ganzen Kabeln dahinter bekommt man eigentlich gar nichts mit. Es sei den die Telefondose fällt von der Wand.

Ich hoffe ich konnte bei der Frage nach der Leitungsführung etwas behilflich sein.

Update: Ich habe mal die Skizze etwas erweitert, damit die Leitungsführung etwas besser verständlich ist.

10 Kommentare

  1. Marcel
    23. Januar 2012 (02:18) | Permalink
    1

    Na und ob du behilflich sein konntest! Vielen Dank erst mal! 🙂

    Der Weg zwischen Kabelverzweiger und TAE ist mir durch deine Beschreibung und deine Zeichnungen deutlich verständlicher geworden. Jedoch habe ich noch so meine Probleme mit dem Hauptverteiler. Im Abschnitt „Im HVT (Hauptverteiler)“ schreibst du zwar immer vom HVT, verlinkst dann aber zu einer Bildergalerie mit dem Namen „Unterwegs in der Vermittlungsstelle“. Das verwirrt mich ein wenig. Gibt es denn einen Unterschied zwischen Hauptverteiler und Vermittlungsstelle oder ist das ein und dasselbe? Denn bei Wikipedia gibt es für beide Begriffe zwei verschiedene Artikel.

    Und was ich weiterhin nicht so recht verstehe: Wie unterscheidet der APL zwischen einzelnen Mietern innerhalb eines Gebäudes? Folgendes Szenario mal als Beispiel:

    Ich vermiete ein Haus, in dem drei Wohnungen vorhanden sind. Zwei der Mieter haben einen Telefon- bzw. Internetanschluss über das Telefonnetz. Das bedeutet ja, dass sie über den APL eine Telefondose direkt in ihre Wohnung gelegt bekommen haben und sie nun nutzen können. Der dritte Mieter ist allerdings kein Kunde der Telefonnetzanbieter und hat keinen Telefon- und auch keinen Internetnanschluss. Wie wird es denn nun technisch realisiert, dass die zwei Mieter Saft an ihrer Dose haben und der dritte eben nicht, obwohl über den APL definitiv ein Signal ankommen muss, weil zwei der Mieter ja versorgt werden müssen?

    Ich werde mich die Tage dankend revanchieren und dir ein paar Fotos von meinem APL im Keller, ein paar aus einer Altstadt in meiner Umgebung und dem einer Tankstelle geben, an der ich ab und zu mal aushelfe. Die lasse ich dir dann per E-Mail zukommen. Schöne Grüße! 😉

  2. 23. Januar 2012 (16:36) | Permalink
    2

    Man kann sich die Telefonleitung als durchgehendes Kabel vom HVT bis zur jeweiligen Telefondose vorstellen. Diese Leitung wird nur an verschiedenen Punkten (KVz, APL, Etagenverteiler)
    unterbrochen. Diese Verteiler sind selbst ja eigentlich nur große Kabelklemmen. Auf jeder Leitung ist dann das Signal für den jeweiligen Anschluss.

    In deinem Beispiel gibt es also 3 Doppeladern, die vom HVT in die Wohnungen führen.
    Falls in einer Wohnung kein Anschluss sein soll, weil der Mieter keinen will oder weil dort niemand wohnt, dann wird einfach im HVT die Leitung „rausgezogen“.
    Ich male das heute abend nochmal verständlicher auf.

    Zwischen einer Vermittlungsstelle und einem HVT gibt es natürlich Unterschiede, die ich in einem anderen Artikel noch mal erklären werde. Der Link auf den Artikel „Unterwegs in der Vermittlungsstelle“ war mehr zur Illustration gedacht, weil dort auch Bilder von DSL Ports, etc. dabei sind.

  3. Marcel
    24. Januar 2012 (18:59) | Permalink
    3

    Danke! Die Erweiterung macht es mir schon mal deutlich verständlicher.

    Bei einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohnungen kommt also nicht nur eine Doppelader am APL an sondern mehrere? Damit muss dann ja auch schon von Anfang an feststehen, ob ich mein Haus vermieten möchte oder nicht. Ich werde ja wahrscheinlich nachträglich keine weitere Doppelader von der Telekom bis in mein Haus gelegt bekommen. Oder ist es so, dass generell gleich mehrere Doppeladern verlegt werden, für den Fall, dass ich unterschiedliche Anschlüsse in der Zukunft benötigen sollte?

  4. Christoph
    25. Januar 2012 (11:06) | Permalink
    4

    Es werden immer mehrere Doppeladern verlegt. Für ein Einfamilienhaus sollten 4-8 DA vorhanden sein. Schließlich muss man falls eine Leitung gestört ist, auf die nächste umschalten können, ohne das man gleich den Bagger holen muss.

    Für ein Mehrfamilienhaus liegen für jede Partie ebenfalls mehrere Doppeladern. Als ich nach Hamburg gezogen bin, hatte mein Freundin einen analogen Anschluss bei Telekom und ich hatte in der selben Wohnung einen bei Hansenet.

  5. Marcel
    26. Januar 2012 (15:12) | Permalink
    5

    Das leuchtet ein.

    Was gab es denn für einen Grund dafür, dass ihr zwei separate Telefonanschlüsse hattet? Und wie lässt sich das in der Praxis umsetzen? Hängst du dann mit deinem Router an der einen Dose und deine Freundin mit ihrem Router an der anderen?

    Wieso gibt es denn überhaupt einen Kabelverzweiger, wenn es – wie es in der Zeichnung aussieht – ohnehin eine durchgängige Doppelader von der Vermittlungsstelle zur Wohnung gibt? Könnte ich mir den Verzweiger dann nicht einfach schenken und das Kabel direkt bis zur Wohnung laufen lassen?

  6. Christoph
    26. Januar 2012 (16:18) | Permalink
    6

    Meine Freundin wollte sich einfach nicht von Ihrer Rufnummer trennen und ich wollte DSL von HanseNet und nicht von der Telekom. In dem Fall braucht man übrigens nicht zwingend eine 2. TAE. Die vorhandene NFN TAE wird einfach gegen eine NF/F TAE Dose ausgetauscht.
    Das sieht dann so aus und ist auch die übliche Verfahrensweise:
    http://www.elektronik-kompendium.de/sites/kom/0302271.htm

    In der Mitte steckt dann das analoge Telefon direkt in der TAE und rechts hing der Splitter für das DSL Modem dran. Dabei musste allerdings der Stecker des Splitters etwas bearbeitet werden, da die normalerweise so breit sind, dass links und rechts davon kein andere Stecker mehr in die TAE passt.

    Der KVz ist durchaus sinnvoll. Die KVzs sind nämlich untereinander verbunden. Damit ist auch die Schaltung über HVT -> KV1 ->KV2->KV3->APL->TAE möglich. Wobei natürlich auf die Leitungslänge geachtet werden muss.

  7. suncrest
    27. Januar 2012 (18:06) | Permalink
    7

    Hallo zusammen,

    Erstmal, gut erklärt. Jedoch möchte ich auf die richtige Schreibweise hinweisen, diese ist HVt und nicht HVT 😉
    Zum anderen nennt man den APL, der direkt am Hauptkabel (HK) hängt, A0-Punkt (A-Null-Punkt).

    Gruß
    Martin

  8. Marcel
    27. Januar 2012 (19:29) | Permalink
    8

    @Christoph

    Also irgendwie tue ich mich mit diesen Doppeladern immer noch ein bisschen schwer. Wie muss ich mir das Innenleben einer Telefondose denn vorstellen? Ist hinter jedem der drei Anschlüsse eine Doppelader und könnte ich dann theoretisch drei verschiedene Telefonanschlüsse bei unterschiedlichen Anbietern haben?

    Ansonsten kann ich dir gut folgen. Nur eben diese Adern und die Anzahl der Adern irritiert mich noch ein wenig. Als ich mir vorhin in der Stadt aus Jux und Tollerei mal ein paar APLs angesehen habe, weil dort so gut wie alle außen angebracht sind, habe ich welche gesehen, die mehrere Häuser (teilweise drei und mehr) versorgt haben. Trotzdem kommt ja nur ein einziges Kabel am APL an. Kommen innerhalb dieses Kabels am APL dann einfach ganz viele Adern an und werden diese quasi über die ganze Straße verteilt? Wieso hat ein stinknormales Haus vier Adern oder mehr, obwohl es doch nur einen Telefonanschluss hat? Klar, es könnte ja passieren, dass eine der Adern mal defekt ist und da wäre es natürlich total unsinnig und viel zu aufwendig, die halbe Straße aufzureißen – das verstehe ich und soweit kann ich das auch noch nachvollziehen. Aber würden es da zwei Adern nicht auch schon tun? Wäre es nicht mehr als unwahrscheinlich, dass zwei Doppeladern den Geist aufgeben? Legt man einfach nur zur Sicherheit Doppeladern in mehrfacher Ausführung oder hat das noch einen anderen Grund?

    @suncrest

    Der APL, der direkt am Hauptkabel hängt? Gibt es noch einen anderen APL? Es kann doch nicht zwei Abschlüsse von etwas geben?!

  9. 30. Januar 2012 (13:36) | Permalink
    9

    @suncrest: Danke für den Hinweis. Habe den Schreibfehler beim HVt korrigiert.

    @Marcel: In der Regel führen vom APL zur TAE mehrere Doppeladern, von denen aber nur eine angeschlossen wird.
    Normale Telefondose sind NFN kodiert. Das heißt links und rechts kommt ein analoges Fax oder AB rein. In die Mitte kommt das analoge Telefon. Bei ISDN Anschlüssen muss der NTBA in die Mitte gesteckt werden. Wird jetzt noch DSL auf die Leitung geschaltet darf links und rechts in N nicht mehr eingesteckt werden. Statt dessen kommt der Splitter in die Mitte. Auf dem Splitter selbst gibt es jetzt wieder 3 Buchsen, die jeweils genau wie bei einer TAE Dose genutzt werden.

    Hat man eine NFF Dose kommt die 1. Leitung auf den Buchsen N und F und die 2. Leitung auf die rechte F Buchse. Da ja vom APL sowieso mehrere Doppeladern zur TAE gehen, wird einfach eine weitere Leitung an die Dose angeschlossen.

    Zu den APLs die du gesehen hast: In dem großen Kabel (wie suncrest schon richtig geschrieben hat: Hauptkabel) sind wieder viele kleine Kabel. Immer 2 davon (von den kleinen Kabeln) sind für einen „normalen“ Anschluss gedacht. Wobei dabei auch immer eine gewissen Reserve enthalten ist, falls mal ein Kabel defekt ist und ersetzt werden muss. Die Telekom hält in einer Datenbank fest welche Doppeladern defekt sind und schaltet diese dann nicht mehr. Bis irgendwann die Reserve aufgebraucht ist. Dann wird (hoffentlich) ein komplett neues Hauptkabel gezogen.

  10. suncrest
    30. Januar 2012 (20:19) | Permalink
    10

    Auch noch ein kleines Update: den DSLAM (also der Zugangsmultiplexer) als solches basierte früher auf ATM (AxB; wird abgemanaged), GbE (AxB, z.B. VDSL und Produkte „mit Splitter“) – läuft weiter, wird aber evtl. nicht mehr aufgebaut. Neue Plattform ist der MSAN (eine „eierlegende Wollmilchsau“ auf AxJ-Basis – splitterlos).

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    […] dieser Kasten ca. eine Straße mit Telefon und Internet versorgt, kann man nur hoffen, dass innen drin noch alles […]