Viele Internet- und Telefonprovider bieten inzwischen zusätzlich zum Anschluss auch kleine Webhosting Pakete mit eigener Domain an. Auf den ersten Blick sieht das vielleicht ganz interessant aus. Wer aber mehr aus seiner Seite machen will und z. B. ein eigenes WordPress Blog oder eine Forum aufsetzen will, der stößt schnell an die Grenzen dieser halbfertigen Zusatzleistungen.
Ein paar Beispiele:
Kabel Deutschland bietet mit dem Paket Comfort gleichzeitg auf Wunsch das Kabel Homepage “Start” Paket inklusive .de-Domain die ersten 12 Monate gratis an. (Kleiner Haken: es wird ein Einrichtungspreis von 9,90 Euro verlangt) Im Paket enthalten sind laut Leistungsbeschreibung 100 MB Webspace und 100 POP3 Postfächer. Ob PHP und MySQL unterstützt werden, konnte mit die Hotline auf Anfrage nicht mitteilen. Dort kannt man nichtmal das Start Paket, was darauf schließen lässt, das sich nur wenige darauf einlassen.
Auch bei Alice gibt es ab dem Anschluss Alice Comfort die Möglichkeit eine eigene Domain zu nutzen. Eine Einrichtungsgebühr wie bei Kabel Deutschland gibt es nicht. Auch das Leistungsspektrum sieht etwas besser aus. Es gibt 10 IMAP/POP3 Postfächer je 1 GB und 1 GB Webspace. Außerdem läuft zumindest PHP4/5. Allerdings wird man auch hier schnell die für WordPress oder ähnliche Anwendungen notwendige Datenbankanbindung vermissen. Die gibt es selbst im wesentlich teuereren Alice Comfort Office Tarif nicht.
Wer mehr will, muss umziehen
Glücklicherweise kann man .de Domains unabhängig vom Telefonvertrag jederzeit zu einen anderen Provider übertragen. Hier gilt keine Mindestvertragslaufzeit. Allerdings sollte man in der Kündigung explizit darauf hinweisen, dass nur die Domain wechseln soll und der restliche Vertrag bestehen bleibt. Sonst könnte es anschließend böse Überraschungen geben. Für die Übertragung einer .de Domain stehen 2 Möglichkeiten zur Auswahl.
Der alte CHProv ohne AuthInfo
Das herkömmliche Verfahren ist eigentlich ganz einfach. Zuerst sucht man sich einen neuen Provider zu dem man seine .de Domain umziehen will. In der Regel kann man dort den Domainumzug online beantragen. Die meisten Provider schicken anschließend den Providerwechselauftrag per Post oder Mail zu. Auf dem muss der Eigentümer der Domain oder der Admin-C bestätigen, dass die Domain umziehen soll. Wer aktuell als Owner oder Admin-C für eine .de Domain eingetragen ist, kann man ganz leicht im WHOIS bei der DENIC sehen. In der Regel schickt man anschließend eine Kopie des Auftrags jeweils an den neuen und den bisherigen Provider.
Der neue Provider muss jetzt bei DENIC den CHPROV Antrag stellen. Das geschieht online über ein spezielles Registrierungssystem. Daraufhin wird der bisherige Provider benachrichtigt, dass die Domain umziehen soll und zu wem. Jetzt muss der bisherige Provider prüfen, ob für die Domain ein gültiger Umzugsauftrag (den wir vorher per Fax oder Post geschickt haben) vorliegt. Falls ja, gibt er die Zustimmung zum Tranfsfer (ACK) oder er lehnt ab (NACK). Das geschieht ebenfalls über das Registrierungssystem der DENIC. Nach einem ACK wechselt die Domain sofort in den Verantwortungsbereich des neuen Providers. Der bisherige Provider hat für die Bearbeitung allerdings insgesamt 5 Werktage Zeit. Nach 3 Tagen erfolgt zur Sicherheit nochmal ein automatischer Reminder. Hat sich 5 Tage nachdem nachdem man den Antrag zum Providerwechsel an beide Provider gefaxt hat also noch nichts getan, sollte man unbedingt nachfragen wo das Problem liegt.
Bis Dezember 2008 gab es noch die Möglichkeit für den alten Provider per LateAck dem Transfer zuzustimmen, ob bereits per NACK abgelehnt wurde. Mit der Einführung des neuen Verfahrens wurde diese Möglichkeit allerdings abgeschafft.
Der neue CHProv mit AuthInfo
Die DENIC hat erkannt, das es mit dem alten Verfahren für den Domaininhaber ziemlich ungemütlich werden kann, falls der alte Provider nicht mitspielt oder zum Beispiel insolvent ist. Daher gibt es jetzt die Möglichkeit für eine .de Domain einen Authinfo Code zu hinterlegen und den alten Provider beim Transfer sogar ganz außen vor zu lassen.
Beim neuen Verfahren beauftragt der Domaininhaber oder Admin-C den bisherigen Provider mit der Hinterlegung eines Authinfo Codes. Diesen Code gibt man dem neuen Provider, der damit den Transfer durchführen kann. Die Domain wechselt anschließend ohne das der bisherige Provider zustimmen muss.
Alternativ gibt es noch die Möglichkeit den neuen Provider mit der Generierung des Authinfo 2 Codes zu beauftragen. Dieser wird danach wiederum die DENIC anweisen den Authinfo2 zu erzeugen und dem Domaininhaber per Post zu senden. Anschließend gibt der Domaininhaber den Authinfo2 Code an den neuen Provider, der damit wiederum die Domain übertragen kann, ohne das der alte Provider zustimmen muss (oder ablehnen könnte). Aber Vorsicht, obwohl der Transfer bei den meinsten Anbietern kostenlos ist, kann die Erzeugung des Authinfo 2 Geld kosten, da die DENIC ihren Mitglieder dieses Verfahren berechnet. Man sollte die Authinfo2 Variante also nur benutzen, falls der alte Provider definitiv nicht reagiert.
Was muss auf der Domainkündigung stehen und wo schickt man sie hin
Für den Umzugsantrag (meist auch KK-Antrag genannt) gibt es keine festgelegte Form. In der Regel akzeptieren alle Provider auch eine schriftlich formlose Kündigung.
Kurzes Beispiel:
Sehr geehrter Damen und Herren,
hiermit bestätige ich, Inhaber und Bevollmächtigter der Domain bliblablub.de zu sein. Mit dem Umzug der Domain zum Provider XYZ Super Webhosting Inc. bin ich einverstanden. Bitte stimmen Sie dem kommenden Antrag auf Providerwechsel zu.
Unterschrift
Es ist allerdings ratsam, falls vorhanden, den Vordruck vom neuen Provider zu nutzen. Interessanter Weise gibt es immer wieder Leute, die den Transferantrag vom alten Provider haben wollen. Das wäre keine gute Idee, da die Standardtexte auf dem meisten Vordrucken nicht so allgemein sind.
Falls noch Fragen zu dem Thema offen sind, könnt ihr gern einen Kommentar hinterlassen. Ich werde versuchen alle Fragen so schnell wie möglich zu beantworten. Für nächste Woche ist noch ein Artikel zum Thema Umzug von internationalen Domain (.com, .net, .org, etc.) geplant.


