Die Zitterpartie geht weiter. Nachdem wir die Vorratsdatenspeicherung erdulden mussten, wird nun am 11. April über den nächsten Eingriff in unsere Privatsphäre entschieden. Wieder einmal streckt die Musikindustrie ihre Fangarme aus. Auf der einen Seite werden wir dann in Zukunft von unseren Providern ausspioniert oder abgemahnt. Auf der anderen wartet eine ganze Industrie nur darauf, alles und jeden abzumahnen.
Wer braucht schon Polizei und Staatsanwaltschaft
Kommt die Gesetzesänderung, dann fällt der Umweg über die Behörden weg. Die Musikindustrie kann sich die Daten der vermeintlichen Filesharer direkt beim Provider abholen. Die Provider werden sich mit Sicherheit dafür bedanken. Schon jetzt müssen die Behördenanfragen mit immensen Aufwand bearbeitet werden. Falls die Musikindustrie eine Welle von Anfragen lostritt, werden die Damen und Herren noch eine Menge Arbeit dazu bekommen.
Nachdem selbst die Polizisten in Australien schon zu bösen Filesharern geworden sind und die Aussies darüber wohl gar nicht lachen konnten, geht es wohl nun uns an den Kragen. Ich mache mir jedenfalls wenig Hoffnung, das wir am 11. April nochmal davon kommen.



Ein Kommentar
Schreibe einen Kommentar»Die Behörden werden, sollte die Gesetzesänderung in Kraft treten, zunächst eher weniger bis gar keine Arbeit mehr haben, schätze ich. Schliesslich _mussten_ die Rechtsvertreter der Rechteanbieter bisher den “Umweg” über die Behörden gehen, um an “Daten” (Zuordnung IP-Adresse zu IP-Nutzer) von Rechteverletzern zu kommen – das fällt dann weg, und die Rechteinhaber können “sofort” abmahnen oder gar klagen.
Meine Bedenken richten sich vor allem dagegen, dass meine “Daten” Freiwild werden für eine Maschinerie, die nicht mehr sauber prüft, sondern blind losläuft – wer garantiert mir denn, dass meine vor zwei Minuten wegen Logout aufgegebene dynamische IP-Adresse nicht von einem Filesharer benutzt wird und ich dann wegen unsauberer Protokollierung beim Provider oder schlechter Dokumentation beim Abmahner in die Schusslinie gerate?
Das Problem ist, dass hier wirtschaftliche Interessen, technische Unzulänglichkeiten und eigentlich notwendige rechtliche Abwägung in einen Topf geworfen und der “Abmahnindustrie” als unappetitlicher, aber goldhaltiger Brei serviert werden – das wird ein widerlicher Frass, befürchte ich.
Ich verweise auf die Unzulänglichkeit von “Zeitstempeln” in der Informationstechnologie (Provider in der ganzen Welt, Server in der ganzen Welt) – wessen Uhrzeit ist denn entscheidend, wessen Uhrzeit ist denn die “richtige”?
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Gesetzesänderung ermöglicht Musikindustrie Zugriff auf unsere Daten…
Kommt die Gesetzesänderung, dann fällt der Umweg über die Behörden weg. Die Musikindustrie kann sich die Daten der vermeintlichen Filesharer direkt beim Provider abholen….
Musikindustrie soll Zugriff auf Vorratsdaten erhalten…
Am Donnerstag, den 11. April 2008, wird der Bundestag über den Entwurf der Bundesregierung für das Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums abstimmen.
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