Mein erstes Mal mit Alice

Manchmal denke ich beim Surfen darüber nach, wie es früher war. Vor ein paar Jahren bin ich bei meiner Freundin eingezogen und war damit erstmal vom Internet so gut wie abgeschnitten. Meine einzige Möglichkeit, Mails abzurufen, war ein kleines, langsames 56k Modem.
Da sich aber meine Freundin partout nicht von ihrem analogen Telefonanschluss bei T-Com trennen wollte, blieb mir erstmal nichts anderes übrig als T-DSL zu bestellen und mit T-Online zu surfen. Irgendwie war mir das aber auf Dauer auch zu teuer und viel zu langsam. Außerdem hatte ich gehört, dass ein lokaler Netzbetreiber in Hamburg viel günstiger und schneller war als T-Online.

HanseNet Speedy

Damals gab es noch keine Alice. Das Wappentier von HanseNet war eine kleine Rennmaus und die Anschlüsse hießen noch Speed Komplett. Die maximale Bandbreite für den Download lag bei 6 Mbits und der Spass kostet noch über 60 Euro.

Alice kommt

Aber noch bevor ich mich entscheiden konnte, war fast ganz Hamburg mit einer seltsamen Werbung zugekleistert und jeder fragte sich Who the Fuck is Alice. Doch die Antwort kam prompt. Alice war HanseNet oder besser noch, Alice war die neue Marke von HanseNet. Doch so ganz überzeugt war ich immer noch nicht.

Meine Einstellung sollte sich aber schlagartig ändern, als bekannt wurde, dass Alice auch Anschlüsse mit 16 MBits Downstream verkauft, dem konnte ich einfach nicht widerstehen.

Meine erste Bestellung im Internet
Ich wollte unbedingt auch 16 Mbits haben und so schaute ich im Internet nach, ob Alice in meiner Wohnung verfügbar war. Ich hatte Glück und konnte sofort bestellen. Meine Freundin wollte sich aber immer noch nicht von ihrem Telekomanschluss trennen. Eine Kündigung kam für sie einfach nicht in Frage. Frauen lassen sich nun mal nicht von 16 Mbits beeindrucken. Das war mir aber völlig egal. In der Onlinebestellung konnte man auch angeben, dass man einen neuen Anschluss haben will. Das werden die bei Alice schon machen, dachte ich mir und orderte meine heiß begehrten 16 MBits.

Ein paar Tage später kam die schriftliche Bestätigung, dass mein Auftrag angekommen sei. Kurz darauf kam ein zweiter Brief, in dem endlich mein Schaltdatum stand. Außerdem hatte die liebe Alice mir geschrieben, dass ein Telekomtechniker kommt und mir den Anschluss schaltet. Ich müsste dafür aber von 8 bis 16 Uhr zu Hause bleiben. Kein Problem dachte ich, dafür kann man schon mal einen Tag Urlaub opfern.

Der Tag der Schaltung (Versuch 1)
Dieter Nuhr hat das mal sehr treffend formuliert. „Im Mittelalter glaubten die Menschen der Messias würde kommen. So ähnlich ist das heute mit den Handwerkern.“ Das Warten auf den Telekomtechniker ist wirklich kein Zuckerschlecken. Aber irgendwann klingelte es und ich sprintete zur Tür. Im Fernsehen sehen die Jungs immer ganz anders aus. Meiner steckte nicht in einem Telekomdress, sondern war mit Jeans und Hemd bekleidet. Lediglich der Ausweis an seinem Hemd lies vermuten, dass er irgendwas mit Telekom zu tun hatte. Ohne viel Wort zu verlieren, schraubte er erstmal die Telefondose von der Wand und steckte sein Prüfgerät an die noch freien Adern. Schon ging es runter zum APL in dem Keller. Einmal kurz mit dem Prüfgerät über die Klemmen geratscht und schon war das erste Problem da. Lapidar erklärte mir der freundliche Techniker, dass keine freie Leitung vom APL in die Wohnung geht und dass er mich nicht schaltet könne. Aber er gab mir seine Handynummer und meinte, er kommt dann irgendwann später wieder und zieht mir noch eine neue Leitung.

Von Alice hatte ich erstmal nichts mehr gehört. Da ich dem Telekomtechniker nicht über den Weg traute, rief ich erstmal die damals noch kostenfreie Hotline an. Dort bot man mir an, einen neuen Termin für den nächsten Besuch des Telekomtechnikers zu vereinbaren. Als Zeitfenster gab es wieder nur 8 bis 16 Uhr und da die Telekom etwas Zeit braucht, um den nächsten Techniker zu schicken, ist ein neuer Termin erst wieder in einer Woche möglich. Ich willigte ein, schließlich war der Termin gratis und ein bisschen warten konnte ich auch noch.

Die Schaltung (Versuch 2)
Da ich mit Urlaub nun auch nicht gerade gesegnet bin und außerdem aus zuverlässiger Quelle (Danke Papa) erfahren hatte, dass die Techniker immer bis 12 Uhr ihre Tour beenden, hatte ich mir nur einen halben Tag frei genommen. Also saß ich von 8 bis 12 Uhr zu Hause und wartete auf den Telekomtechniker. Leider hatte niemand geklingelt. Dafür fand ich abends eine Karte im Briefkasten. Der Techniker war um 13:15 Uhr da gewesen und hat mich nicht angetroffen. Also wieder bei der Hotline angerufen und einen neuen Termin vereinbart.

Die Schaltung (Versuch 3)
Inzwischen hatte ich schon 1.5 Urlaubstage geopfert. Da ich mir immer noch sicher war, dass der Techniker vor 12 Uhr bei mir sein musste (ja, ich bin bei sowas unbelehrbar) blieb ich wieder nur bis 12 Uhr zu hause. Als Quittung gab es nur eine zweite Karte, die ich abends im Briefkasten fand. Also wieder die Hotline angerufen, usw.

TAE NFF

Die Schaltung (Versuch 4)
Ich wollte unbedingt 16 Mbits und daher musste nun auch mein 3. Urlaubstag dran glauben. Diesmal kam zu meiner Überraschung wirklich ein echter Telekomtechniker in voller Montur, so wie man sie aus der Werbung kennt. Nach ca. 3 Stunden war das Kabel vom APL ins Erdgeschoss gezogen. Die alte NFN TAE wurde kurzerhand gegen eine NFF TAE ausgetauscht. Jetzt war mein neuer Anschluss rechts und der von meiner Freundin in der Mitte der TAE geschaltet. Misstrauisch wie ich nun mal bin, habe ich gleich das DSL Modem von Alice angeschlossen und siehe da, die Sync Lampe ging an. Ich verabschiedete den Techniker und ging sofort an meinen PC um die Downloadrate zu testen.

Statt 16 MBits nur 12 MBits
Auch damals wusste ich schon, dass man Speedtestseiten nicht trauen darf. Also habe ich mir kurzerhand die erstbeste Linuxdistribution runtergeladen. Das Ergebnis war zwar etwas ernüchternd, aber im Vergleich zu meinem bisherigen 1 Mbits T-DSL Anschluss gar nicht mal so schlecht. Statt der erwarteten 16 MBits kam ich beim gleichzeitigen Download mehrerer Dateien insgesamt auf stolze 12 MBits. Etwas später habe ich über die Hotline erfahren, dass ich mit einer Leitungslänge von etwas über 2 km noch ganz gut mit meinen 12 Mbits dastehe.

3 Kommentare

  1. 7. Oktober 2007 (14:30) | Permalink
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    Alice währe das letzte, was ich wählen würde, erstens belügen die Vertretter die Kunden, stellt man sie zur Rede, sagen sie, sie haben die Informationen von einem anderen Kollegen. So versicherte mir einer, dass im Nachbarnhaus fast alle Internet von Alice hat, stellte es sich aber heraus, dass dort nur wenige gerade mal einen Telefonanschluss besitzten. Und überhaupt kann Alice in Pforzheim keine Internet- und Telefonverbindung garantieren, mein Klassenkamerad (jaa, als ich noch in der Schule war) bestellte Alice und hatte kein Internet kein Telefon…

  2. 29. Oktober 2011 (22:34) | Permalink
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    Telekom-Techniker haben 2 Touren, die Aufträge sind in Zeitfenstern von 8-12 Uhr und von 12-16 Uhr zu erledigen. Die Kunden bekommen aber meist dennoch nur den Hinweis, dass er von „8-16 Uhr“ da sei. (Ich weiß nicht, ob es überall und immer so ist. In meiner kurzen Zeit, in der ich als ein solcher Arbeitete, war es aber in 90% der Fälle so.)

  3. 31. Oktober 2011 (11:50) | Permalink
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    Die Telekom bietet ihren eigenen Kunden als Zeitfenster 8-12 oder eben 12-16 Uhr an. Für alle anderen hieß es die letzten Jahre immer „nur von 8-16 Uhr“. Inzwischen hat sich das wohl auch wieder relativiert und auch anderen Anbieter können die kurzen Zeitfenster anbieten.

    Der Artikel ist von 2007. Da war es leider nicht ganz so einfach.

Ein Trackback

  1. Von Zu lange Wartezeit bei Wechsel zu Fremdanbietern am 9. November 2007 um 20:15
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    […] stark im Nachteil. Das ist durchaus verständlich. Wer schon mehrmals auf den Techniker der Telekom warten musste, weiß das so etwas durchaus nervenaufreibend sein kann. Nicht jeder kann sich außerdem für die […]