Der T-Comstreik ist vorbei, oder doch nicht

Die Hoffnungen der T-Com Mitarbeiter, durch den Streik wenigstens nicht auf ihr Gehalt verzichten zu müssen, wurden mit dem gestern verkündeten Kompromis zunichte gemacht. Längere Arbeitszeiten würden viele in Kauf nehmen. Aber der Verzicht auf Teile des Gehalts bedeutet für die meisten eine harte Umstellung ihrer Lebensverhältnisse.Als Kompromis kann man den Abschluss der Verhandlungen zwischen T-Com und ver.di daher wohl kaum bezeichnen. Nach der Wut auf die T-Com kommt für die Mitarbeiter jetzt noch die Wut auf ver.di hinzu. Nicht Wenige fühlen sich von der Gewerkschaft verraten. Da ist es auch kein Trost, dass der T-Com Personalchef Herr Sattelberger seinen “finanziellen Zielkorridor” getroffen hat.

Sollte dies tatsächlich das Ende des Streiks bedeuten, wird es mit den demotivierten Mitarbeitern wohl schwer werden, die während des Streiks angestauten Entstör- und Montageaufträge abzubauen. Noch immer sitzen wütende Kunden vor ihren nicht funktionierenden Telefonanschlüssen. Viele wurden während des Streiks mehrmals vom Techniker versetzt und haben Urlaubstage geopfert, nur um umsonst auf den Techniker zu warten. Andere warten heute noch darauf, dass ihr DSL Anschluss endlich geschaltet wird. Die Anzahl der nicht bereitgestellten Resale-DSL Anschlüsse geht in die Zehntausende.

Dabei hat der Streik schliesslich nicht nur bei T-Com Kunden für Verärgerung gesorgt. Gerade die Kunden, die von der T-Com loskommen wollten und zu einem anderen Anbieter gewechselt sind, hat es am Härtesten getroffen. Einige hatten über einen Monat keinen Telefon- und Internetanschluss. Viele warten noch heute vergebens. Auch die vorsichtige Prognose der T-Com, man werde ca. 12 Monate benötigen, um die angestauten Aufträge abzuarbeiten, kann niemandem Hoffnung geben. Bei der derzeitigen Motivation der T-Com Mitarbeiter wird diese Prognose wohl eher eine Fehleinschätzung sein. Zu Beginn des Streiks hatte ver.di noch bekannt gegeben, man wolle vor allem die Großkunden treffen. Diese haben aber offenbar am wenigsten davon gespürt.

Es bleibt also weiterhin spannend und ich drücke jedem die Daumen, der immer noch darauf wartet, dass er endlich wieder surfen und telefonieren kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht. Erforderliche Felder sind als * markiert.

*
*